Auswirkungen der Wachstumsideologie auf Gerechtigkeit und Ökologie

Auswirkungen der Wachstumsideologie auf Gerechtigkeit und Ökologie
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In einem inspirierenden Vortrag in der Tafernwirtschaft mit dem Titel „Wachstum ist das Problem, nicht die Lösung“ hat ÖDP Vordenker Bernhard Suttner die Aufmerksamkeit auf die gravierenden Folgen des gegenwärtigen Wachstumsparadigmas für unsere Gesellschaft und Umwelt gelenkt.

Im Rahmen seines Vortrags wurden verschiedene zentrale Aspekte beleuchtet. Dabei wurde deutlich gemacht, dass das gegenwärtige Verständnis von Wirtschaftswachstum irreführend ist. Echtes Wachstum, wie es in der Natur beobachtet wird, hat einen natürlichen Zyklus, der mit Entwicklung und Abschluss einhergeht. Im Gegensatz dazu darf Wirtschaftswachstum niemals enden, was bekanntlich bei endlichen Ressourcen zu problematischen Konsequenzen führt. Allein der Begriff Wachstum verleiht dem System ein falsches Framing.

Der Referent betonte insbesondere vier problematische Prozesse, die mit dem Wirtschaftswachstum einhergehen: die verstärkte Extraktion von Ressourcen, die intensivere Verschmutzung, die radikalere Reduzierung der Lebensräume sowie die Störung und Zerstörung von kulturellen Gütern und lebensfreundlichen Traditionen.

Trotz einer bereits seit 50 Jahren existierenden Wachstumskritik in der Wissenschaft und der wachsenden Dringlichkeit im Angesicht unseres ausgelaugten Planeten, hat sich politisch wenig geändert. Es besteht immer noch keine Abkehr vom herkömmlichen Kurs.

Während frühere Wachstumskritiker davon ausgingen, dass vor allem der Rohstoffmangel, wie beispielsweise das Erdöl, zum Problem wird, ist mittlerweile klar, dass vor allem die Belastungsgrenzen unseres Planeten überschritten werden. Biodiversität, Böden, gesundes Klima… sind die Ressourcen, die uns ausgehen.

Wachstum wird in der Alltagspolitik als unverzichtbar betrachtet, da es als Beruhigungsmittel und Ersatz für Verteilungsgerechtigkeit dient. Besonders beliebt ist leider nach wie vor die Trickle-Down-Theorie, deren Grundaussage darin besteht, dass der Wohlstand der Reichsten nach und nach in die unteren Schichten der Gesellschaft rieselt.

Im Rahmen des Vortrags wurden verschiedene Handlungsmöglichkeiten zur Diskussion gestellt, darunter die Option, weiterhin wie bisher vorzugehen, Green Growth, die Reduzierung der Bevölkerung, die Förderung einer Gemeinwohl-Ökonomie, eine Marktwirtschaft mit realistischen „wahren“ Preisen sowie Suffizienz durch Mäßigung und Beschränkung auf das Notwendige.

Statt krebsartigem Wachstum, so der Vortragende sollte nicht nur der individuelle sondern vor allem der gesellschaftliche Fokus auf den Basisgütern des guten Lebens liegen. Diese werden in Skidelskys Buch „Wieviel ist genug?“ beschrieben und heißen: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße.

Suttner betonte abschließend die Notwendigkeit, das Tabu der Suffizienz, zu brechen und die Ansprüche an unseren Planeten zu begrenzen. Er hob hervor, dass dies eine spezielle Aufgabe der ÖDP sei, die als einzige politische Kraft diese Thematik klar und deutlich in der politischen Landschaft anspreche.

Bild: Die stellvertretende Kreisvorsitzende Renate Hanglberger überreicht dem Referenten Bernhard Suttner ein kleines Präsent. (Heiko Helmbrecht)

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